Stress, Angst und Tauma beim Hund

Stress, Angst und Tauma beim Hund

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Allgemeines Stressthema

Einleitend ist zu sagen, dass Stress ganz allgemein als ein Belastungszustand im Umgang mit Umweltsituationen bzw. Sozialpartnern gesehen bzw. definiert werden kann.
Die Stresszustände aktivieren hierbei die gleichen emotionalen Zustände, welche für die Themen Angst und Furcht, um die es neben den Themen Phobie und Trauma beim Hund in diesem Beitrag geht, verantwortlich sind!
Ausgangslage ist hier der unbewältigte Stress, den der Hund für nicht bewältigbar hält, aus denen negativ belegte Zustände entstehen (Angst und Furcht) und somit die Grundlage für das Entstehen von Phobie und Panik darstellt!

Stress entsteht im Kopf und zwar immer dann, wenn der Hund aufgrund mangelnder Erfahrung – worauf ich später noch genauer eingehen werde – mit seinen (erlernten) Bewältigungsstrategien nicht mehr weiter kommt.
Mein Beitrag befasst sich ausserdem mit dem Thema Trauma beim Hund, den Vorgängen im Gehirn des Hundes, den möglichen Ursachen für das Entstehen von Phobie und Trauma sowie die Entwicklung von Lösungsansätzen für diese Thematik.
Auf jeden Fall sollten/müssen betroffene Hunde konsequent aber gefühlvoll behandelt werden und in besonders schweren Fällen kann auch der Einsatz von echten Psychopharmaka überlegt werden!
Eines haben alle behandelnden Themen gemeinsam, nämlich die eindeutig subjektive Empfindung einer unbewältigbaren Situation und das der Hund mit allem was er bis jetzt erlebt hat den Stress nicht bewältigen kann und die Stressanpassung des Hundes somit überfordert ist.

Aus Stress, sogar auch kurzzeitigem Stress können bleibende gesundheitliche Schäden entstehen, wenn der Hund nach der Belastung nicht die nötige Ruhezeit erhält und somit seinen Normalzustand wieder herstellt (Erregungs- und Hemmungsprozesse).
Die Tiefschlafphase ist dabei besonders wichtig, da hier eine allgemeine Regeneration der Hautzellen, Muskelentspannung, Absenkung des Blutdrucks und der Herzfrequenz, sowie die Regeneration von Gewebe erfolgt!

Eine Stress-Problembewältigung erfolgt immer dann, wenn der Hund durch aktives Zutun die Situation lösen kann. Der Hund behält somit die Kontrolle über die und in der Stresssituation.
Hier muss zwischen zwei Stress- bzw. Bedrohungssituationen unterschieden werden:

Sichtbare Bedrohung:

Wenn die Bedrohung für den Hund sichtbar und somit identifizierbar ist, hat der Hund durch aktive Unterwerfung die Chance sich der Bedrohungssituation anzupassen. Durch die Anpassung erfolgt erfolgt keine Erhöhung des Stresshormonpegels (Cortisol).

Nicht sichtbare Bedrohung:

Hat der Hund durch die nicht identifizierbare Bedrohung nicht die Chance sich aktiv zu unterwerfen, kommt es zum Auftreten von deutlichen Stresssymptomen wie etwa Erweiterung der Pupillen, Unruhe und Speicheln.
Es kommt ausserdem zu einer Erhöhung des Cortisolspiegels und zur Erhöhung des Blutdrucks und der Herzfrequenz. Der Hund hat hier keinerlei Kontrolle mehr über die Situation!
Als typisches Beispiel ist hier die Feuerwerks- und Gewitterstörung genannt, welche vorwiegend aus dumpfen Tönen besteht.
Durch Variation der Lärmquelle in Örtlichkeit und Frequenz wird dem Hund die Zuordnung nochmals erschwert!
Bezogen auf die Kontrollierbarkeit von nicht identifizierbaren Bedrohungen sind Hundesenioren oberhalb von 7-8 Jahren besonders anfällig für Stress.
So ist bei Hundesenioren die Orientierungsfähigkeit eingeschränkt, das Richtungshören geht zurück, die individuelle Stimmerkennung über die Tonfrequenz lässt nach, die Zuordnung des Raum/Zeit-Systems ist erschwert und der Grundhormonspiegels des Cortisols steigt an.

Im Gehirn des Hundes gibt es zwei große Stresssysteme, das aktive und das passive Stresssystem.

AKTIVES Stresssystem:
Beim aktiven Stresssystem steht die aktive Stressbewältigung im Vordergrund und hier spielen Angst und Furcht bei der Entstehung von Phobien eine zentrale Rolle! Bei Furcht gibt es einen konkreten Auslöser, auf den der Hund reagieren kann, während bei Angst eine nicht mehr bewältigbare, generelle Bedrohungsatmosphäre besteht.
Das aktive Stresssystem steht unter Kontrolle des Systems der Hormone des Nebenierenmarks, nämlich Adrenalin und Noradrenalin. Diese Hormone haben eine extrem schnelle Anflutszeit (die Zeit vom Erkennen des Reizes bis zur Ausschüttung der Hormone), nämlich vierzig Millisekunden. Bei Aktivierung des aktiven Strasssystems erfolgt eine Veränderung des Blutdrucks und der Herzfrequenz und außerdem ist die Variabilität der Pulsrate wichtig, da hier eine schnellere Anpassungsfähigkeit an veränderte Umweltreize erfolgt!
Die Nachteile des aktiven Stresssystems liegen:
1. In der Absenkung der Reizschwelle (jene Schwelle bei der der Hund auf einen Reiz reagiert), wodurch der Hund aufmerksamer (wachsamer) wird und damit auch die Aggressionswahrscheinlichkeit steigt!
2. In der extrem lernverstärkenden Wirkung. Das heißt das stressige Ereignis oder die stresshafte Situation wird nachhaltiger abgespeichert! Die beste und effektivste Problemlösung wird dabei vom Hund gemerkt, die jedoch (und das ist der Clou) je öfter eine solche Situation auftritt, bei immer kleineren Reizen beginnt beziehungsweise immer kleiner werdende Reize ausreichen, um die Hormone auszuschütten und am Ende die Reaktion (Aggression, Angst…) zu zeigen! Dies begünstigt leider die Entstehung von Phobien.
Die gesundheitlichen Folgen bei Aktivierung des aktiven Stresssystems liegen:
– In einer schnelleren Atmung
– In der Erhöhung des Blutdrucks und
– In der Veränderung der Blutgerinnung durch Verkleinerung der Blutplättchen (chemische Oberflächenveränderung).

PASSIVES Stresssystem:
Beim passiven Stresssystem erfolgt aufgrund fehlender Lösungs- bzw. Reaktionsmodelle eine innere Anpassung des Hundes an die Stresssituation. Der Stress kann im passiven Stresssystem nicht mehr aktiv beeinflusst und somit bewältigt werden!
Es folgt eine Reduktion der inneren Erwartungshaltung des Hundes sowie eine Verringerung der Individualdistanz (geringere Aggressionsbereitschaft) und ein massiver Anstieg der Cortisolwerte im Blut! Wenn der Hund jedoch wieder seine Individualdistanz hat, dann kommt es auch wieder zur Aggression!
Im passiven Stressverhalten wird die Aktivität des Hundes gedämpft, das Erkundungsverhalten wird eingeschränkt und die Lernbereitschaft wird gesenkt.
Im schlimmsten Fall tritt eine erlernte Hilfslosigkeit auf, in der sich der Hund selbst aufgibt weil er immer wieder die Erfahrung macht „das wird ja sowieso nichts“ und die Probleme immer schlimmer werden, je mehr der Hund versucht sie zu lösen!

Kurze Erläuterung Erlernte Hilflosigkeit:
Bei der erlernten Hilfslosigkeit beginnt der Hund sich, aufgrund seiner immer wieder negativ gemachten Erfahrungen („das wird ja sowieso nichts“), innerlich aufzugeben.
Die Probleme werden dabei immer schlimmer, je mehr der Hund versucht sie zu lösen! (Beispielsweise bei einem Halter/in, dem der Hund „nichts recht machen kann“ beziehungsweise der aufgrund seiner inneren Zerrissenheit nicht in der Lage ist dem Hund Stabilität zu vermitteln und deshalb seinen Hund aus eigener Labilität immer wieder zu Unrecht maßregelt).
Dieses Missvertrauen in die eigene Problemlösekompetenz löst Hirnschäden aus (im Hypocampus, der verantwortlich für Lernverhalten, Neugier und so weiter) ist. Der Hund hat letztlich kein Vertrauen mehr in sich selbst!

Die Nachteile des passiven Stresssystems liegen:
1. In der (teilweise massiv) gedämpften Aktivität des Hundes.
2. In der Einschränkung des Erkundungsverhaltens des Hundes (Schnüffelt weniger).
3. In der Einschränkung der Lernwilligkeit, des Lernverhaltens sowie der Lernbereitschaft auch mithilfe von Futter
4. Im schlimmsten Fall in der Entwicklung einer echten Depression des Hundes und
5. In der daraus sich entwickelnden Einschränkung bis ganz zur Aufgabe der Aktivität des Hundes!
Die gesundheitlichen Folgen bei Aktivierung des passiven Stresssystems liegen:
– In der Steigerung der Anfälligkeit für Diabetes
– In der Neigung zu Übergewicht (Gewichtskontrolle beziehungsweise Steuerung über Diät Futter)
– Im Auftreten von Stoffwechselproblemen (Erkrankung von Leber, Nieren und Bauchspeicheldrüse)
– In der Entwicklung von Depressionen und
– In der Anfälligkeit für Harnwegsinfektionen
– In der Anfälligkeit für Hautkrankheiten und Allergien und
– Gerade bei kastrierten Hunden im Risiko einer Immunerkrankung.

Im Folgenden werde ich die verschiedenen Schritte im Gehirnsystem des Hundes durchgehen, was er der Reihe nach durchmacht!

1. Schritt: Zustand der Unsicherheit beim Hund

Die Unsicherheit kann aus zwei Mangelerscheinungen auftreten.

I. Mangel an Information
Der Hund weiß nicht was los ist und muss sich aufgrund mangelnder Reize der Umwelt durch Erkundungsverhalten Informationen einholen. Der Fachbegriff hierfür lautet Informationsanspruch, auf den ich später noch etwas genauer eingehen werde. Im Zustand der Unsicherheit erfolgt bereits eine leichte Erhöhung des Cortisolspiegels.
Ein leicht erhöhter Cortisolspiegel hat den Vorteil, dass er durchaus lernfördernd sein kann (eine Lernbereitschaft besteht immer dann, wenn der Hund die aktuelle Situation noch verbessern kann)!

Unterschied zwischen Lernen und Abrufen von bereits gelerntem:
Wenn der Hund etwas neues lernt, kann ein moderater Stresspegel sogar hilfreich sein was die gängige Meinung der vielen Vertretern der Wattebausch-Fraktion „Der Hund kann im Stress nicht lernen, also gehen wir ihm aus dem Weg“ widerlegt! Hier sei gesagt, dass auch Negativerlebnisse zum erfolgreichen Lernen beitragen, denn ein Hund lernt auch am Scheitern ABER dadurch auch keine Verbesserung angestrebt wird (Thema Lernbereitschaft), was wiederum negativ ausgelegt werden kann.
Wo fängt jedoch der Stressbereich an, indem der Hund eben NICHT mehr lernen kann?
– Der Hund erlebt ein Negativerlebnis, in dem er keine Verbesserung anstrebt und nichts etwas hilft (heute kein Ball, kein Stocki usw.) „Dann lass ich´s halt“ -> Hunde mit starkem Charakter stecken das leichter weg als Hunde mit nicht gefestigtem Charakter.
– Durch Druck des Scheiterns (zum Beispiel das Lieblingsspielzeug verstecken, Suchspiele usw.)
– Durch zu große Hundegruppen in Hundeschulen (MAXIMAL sechs Hunde!): Jeder Hund hat einen unterschiedlichen Stresspegel in dem er lernen kann, das heißt jeder Hund braucht eine andere Lernmotivation und Belohnung als Erfolgserlebnis (Massage, eher ruhig, Spiel, eher ausgelassen usw.)!
Soll der Hund nun etwas gelerntes abrufen, wirkt sich der Stresspegel äußerst negativ aus, da die Stresswirkung das Entstehen von Angststörungen begünstigt (Beispiel Blackout: Hund kann auf Gedankenspeicher und somit auf seine Modelle der Lösung kurzfristig nicht mehr zugreifen).

II. Mangel an Erfahrung
Jeder Hund hat einen sogenannten „Informationsanspruch“ an seine Umgebung!
Diesen versucht der Hund durch aktives Erkundungsverhalten, Neugierde und durch Beobachten zu decken, denn er will ja selbst seine Unsicherheit beseitigen (Beispiel Versuch und Irrtum).
Der Informationsanspruch ist dabei umso größer, je größer die Unsicherheit ist!
Es erfolgt dabei eine Aktivierung der beiden Stresssysteme Cortisol und Noradrenalin.
Folge: Die Sinne werden geschärft, der Hund erkundet aufmerksamer und hat eine generell interessiertere Wahrnehmung!

Doch was kommt nach der Unsicherheit – der Informationsanspruch ist nun weitestgehend gedeckt – im Gehirn des Hundes?

2. Schritt: Erstbewertung der Situation

Bei der Erstbewertung schätzt das Gehirn des Hundes ein, was die Situation bedeuten könnte.
Die Situation kann neutral (Informationen gehen nicht ins Gedächtniss), positiv (Erfolgserlebniss durch Belohnung) oder aber, und das interessiert uns hier am meisten, negativ sein.
Bei negativer Erstbewertung (hier: Gefahr) erfolgt a) ein Abruf von Informationen bzw. Erfahrungen aus dem Kapitel Unsicherheit und b) eine intuitive Informations- und Gefahrenbewertung unter anderem über eine Individualerkennung von wütenden Gesichtern und Mimiken.

Folgen der Erstbewertung=Gefahr (Reaktion auf Furcht):
– Aggression als Präventivmaßnahme (hohe Selbstbelohnung)
– Flucht vor furchtauslösendem Objekt ist eine Möglichkeit eine aktive Problemlösung herbeizuführen.
(Furcht kann sich in ein massives Furchterlebnis steigern)
1.Phase der Fluchtrektion: Ausschüttung von Adrenalin (Fluchthormon) ->Hund entkommt der Gefahr.
2.Phase der Fluchtreaktion: Der Hund entkommt der Gefahr (Hund hat Erfolg) ->Ausschüttung von Noradrenalin (Belohnung für´s Weglaufen weil eigene Lösung)!

Ein objektbezogener, konkreter Auslöser ist verantwortlich für die Entstehung von Furcht, ein unbestimmtes Gefühl bzw. eine Bedrohung (Wo, Wer, Was?) welche der Hund nicht an einer bestimmten Situation festmachen kann (nicht gezielt davor schützen) hingegen ist verantwortlich für die Entstehung von Angst! (Beispiel bei Menschen bei unheimlichen Situationen in Horrorfilmen)

Entstehung einer Phobie:
Wenn sich die Furcht steigert (z.B. durch ein massives Furchterlebniss) und der Hund durch Flucht der Gefahr entkommt, hat der Hund durch Rückkopplungsvorgänge im Gehirn (Dopaminsystem) ein Erfolgserlebniss und somit einen Garant für die Zukunft gewonnen („Das mach ich wieder so“).
Durch die Reizverstärkung der beteiligten Hormone reichen nun immer kleinere Reize aus, um dieselbe Reaktion auszulösen.
Der Teufelskreis der Phobie beginnt, denn mit der Zeit reagiert der Hund auch auf den auslösenden Reiz ähnliche Objekte!

Wie kann ich einer Phobie entgegenwirken? (Gegenstrategien)

Flooding:
Beim Flooding wird der Hund dem Reiz direkt ausgesetzt. Es kommt solange zu einer synapsischen Ermüdung im Gehirn des Hundes, bis er mit der Zeit nicht mehr negativ auf den ehemals furchtauslösenden Reiz reagieren kann.
Die Anwendung des Floodings ist jedoch wegen einigen Nachteile sehr umstritten.
Die Nachteile liegen einerseits in der massiven Belastung des Hundes (völlige Überflutung des Nervensystems mit Cortisol), in der Schädigung der Mensch/Hund-Beziehung und andererseits bei Scheitern der Therapie in der weiteren Verstärkung der Problematik!

Desensibilisierung:
Bei der Desensibilisierung wird, im Gegensatz zum Flooding, der Hund dem Reiz nur langsam und schrittweise ausgesetzt was zu einer Gewöhnung führt und anschliessend die Reizintensität gesteigert (Zwei Schritte vor, Einen zurück)!

 

Das Thema ANGST

Angst ist ein unbestimmtes Gefühl und es gibt keine konkrete auslösende Situation.
Bei der Angstproblematik gilt es das Selbstbewusstsein des Hundes zu stärken sowie die eigene Führkompetenz als auch die Mensch/Hund-Beziehung zu stärken, eine im besten Falle Bindungsfördernden Aufgabe für den Hund zu finden, in der er „zeigen kann was er kann“, sowie selbsterschaffte Erfolgserlebnisse zu fördern!

Differenzierung der Angst/Ursachen für Angst

Mangel an Orientierung/Information/Sinnesreizen:
Der Hund weiß nicht was um ihn rum passiert. Eine Orientierungsstörung im Raum/Zeit-System des Hundes tritt auf.

Angst vor dem Versagen/Einschränkung der Bewegungsfähigkeit:
Hier hat der Hund Probleme mit Untergrundbeschaffenheiten bzw. Hindernissen und hat kein Vertrauen in seine Muskulatur bzw. in sein Bewegungssystem.
Bei dieser Problematik muss der Hund im Training/in der Therapie bestätigt werden wenn er AUF dem unbekannten Untergrund bzw. Hinderniss steht und nicht im Nachhinein wenn er schon drüber ist (Hund wird belohnt, dass er sich dem Reiz aussetzt).

Angst aus Mangel an erlerntem/Mangel an Erfahrung:
Hier ist die Situation belastend für den Hund, weil er noch nie in seinem Leben in so einer Situation war.
Im Gehirn erfolgt kein Abgleich mit einer Erfahrung.

3. Schritt: Abhilfemaßnahmen:

Abhilfemaßnahmen (Eingreifen des Hundehalters) sollten im Idealfall direkt nach der Erstbewertung erfolgen!

Solche Maßnahmen können sein:
– soziale Unterstützung in Krisensituationen (Angst nicht ignorieren)
– Beziehung und Bindung durch Einfühlungsvermögen und Empathie stärken (sichere Mensch/Hund-Bindung)
– eigene Führkompetenz steigern
– Schaffung eines Rückzugsortes für den Hund
– kognitive Therapie (Intelligenz- und Suchspiele/Nasenarbeit) schafft Selbstbewusstsein
– ankonditionierte Entspannung (Konditionierung eines Entspannungssignals) WICHTIG ist hier, dass das Signal noch VOR dem Höhepunkt der Erregung eingesetzt wird!
– angstlösende Medikamente bei extremen Phobien

4. Schritt: Neubewertung der Situation:

Nach den Abhilfe- bzw. Therapiemaßnahmen erfolgt eine Neubewertung der Situation.
Hier unterscheiden wir zwischen dem optimistischen und dem pessimistischen Hundetyp, wobei uns wieder der pessimistische Hundetyp, also jener Hundetyp der nicht so gut damit umgehen kann, mehr interessiert.

Optimistischer Hundetyp:
Er bewertet die Situation durchwegs positiv, also mit Erfolg!
Der optimistische Hundetp wird allgemein sicherer und reagiert positiver auf die Unterstützungsmaßnahmen.

Pessimistischer Hundetyp:
Pessimistische Hundetypen steigern sich in das negativ emotionale Geschehen hinein, seine Erinnerungen an das letzte Mal werden schlimmer, seine Angst wird noch verstärkt und wird in Folge so groß, dass sie keinen auslösenden Reiz mehr braucht!
Wenn die Angst so unüberwindbar wird, dass sie keinen auslösenden Reiz mehr braucht, so spricht man von einer
generalisierten Angststörung.
Die gesamte Störung läuft über Automatismen im Gehirn ab (die Angst vor der Angst) und ist die Folge einer langanhaltenden, stetigen nicht bewältigbaren Stresssituation in Kombination mit der Überforderung durch Reizüberflutung!

5. Schritt: Folgestrategie:

Die Folgestrategie setzt sich aus den vielen kleinen Erfolgen der Abhilfemaßnahmen zusammen und ist bei jedem Hund individuell und unterschiedlich.

 

Das TRAUMA

„Trauma entsteht beim Zusammenbruch der Schutzmauer zwischen dem Selbst und der Umwelt“ (Sigmund Freud)

 

Ursachen des Traumas: (zu früh, zu schnell, zu heftig)

…zu früh!

• zu früher Beginn einer Ausbildung
• zu frühe Trennung von der Mutter
Das „zu früh“ richtet sich nach dem Reifezustand des Gehirns, dem Reifezustand der Sinnesorgane und dem Reifezustand des Bewegungsapparates.
Der Hund wird hierbei gezwungen Leistungen zu vollbringen, die nicht seinem Reifezustand entsprechen!

…zu schnell!

Ein Reiz baut sich viel zu schnell vor dem Hund auf, welcher mit seinen normalen (erlernten) Bewältigungsstrategien als Stressantwort überfordert ist und nicht fertig wird!

…zu heftig!

Die Umwelteinwirkungen sind so massiv, dass sie der Hund in ihrer Intensität nicht mehr kontrollieren kann.
Es entsteht eine mangelnde Kontrolle der emotionalen Teile des Gehirns (Ursache für den Kontrollverlust einer Wutaggression).
Als Beispiel seien hier ein zu früher Beginn einer Schutzhundeausbildung, ein Aufwachsen in gewalttätigem Familienumfeld oder eine ganz auf aversiven basierende Erziehung in der der Hund keinerlei Freiheiten hat!

Finden Traumatisierungen in der Übergangszeit zwischen Welpen- und Junghundezeit statt (3.-6.Monat), so wird dieser Hund aller Wahrscheinlichkeit nach soziale Inkompetenz und eine Bindungsschwäche und im schlimmsten Fall Bindungsunfähigkeit aufweisen.
Kommt es während dieser Zeit zusätzlich zu körperlichem Missbrauch (z.B. durch einen Unfall oder durch immer wiederkehrende psychische und/oder physischer Gewalteinwirkung) entwickelt sich die sogenannte Posttraumatische Belastungsstörung!

Abschliessend ist zu sagen, dass erst dann an der Trauma-Thematik gezielt gearbeitet werden kann, wenn ein exakt genaues Stressmanagement, ein exakt genaues Alltagsmanagement und bei Bedarf eine begleitende Therapie mit Psychopharmaka sichergestellt werden kann!
Generell gesehen haben Hunde vor dem Alter von 2 Jahren die größeren Chancen ihr Trauma in den Griff zu bekommen, wobei stets darauf geachtet werden sollte, dass die belastende Situation des Traumas IMMER mit einem POSITIVEN Erlebniss endet!

 

 

Bernhard Albin

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