Stereotypie bei Hunden oder „Die dunkle Seite des Dopamins“

…bei der Stereotypie

zeigt der Hund rituelle (immer wiederkehrende) Verhaltensweisen, die von gleichablaufenden,
ständig wiederholten Bewegungsmustern geprägt sind! (z.B. Schwanz jagen)
Diese treten zeitlich unbegrenzt sowie ohne Zusammenhang mit Umwelteinflüssen und Spiel auf, sind nicht erworben und
somit nicht durch Nachahmung erlernbar!
Stereotypien entstehen aus einem Dopaminmangel in einem Teil des Großhirns (Streifenkörper), welcher unter anderem
mit dem Belohnungssystem verbunden ist.

Durch diese stressbedingten Handlungen versucht der Hund sein inneres Gleichgewicht wieder herzustellen.
Den Ausgleich bzw. die Erhaltung vom äusseren zum inneren Gleichgewicht nennt man Homöostase.

Gründe für diese Verhaltensweise(n) können sein:
-nicht artgerechte Haltung des Hundes (vorwiegend bei Zootieren)
-wenig körperliche Bewegung bzw. zu geringe Auslastung des Hundes
-fehlender Körperkontakt, Sichtkontakt oder Sozialkontakt mit anderen Hunden
-Deprivations Schäden (der Hund ist als Welpe zu früh von seiner Mutter getrennt worden)
-zu dichter Zwingerbesatz (zu viele Hunde auf zu engem Raum)
-der Hund wird wiederholt Stresssituationen ausgesetzt, die er nicht bewältigen kann.
-frustriertes Bewegungsbedürfniss (Tierheimhunde)
-eine stressanfällige, unsichere Mutterhündin
-falsche Zusammensetzung des Futters (Vitamine, Nahrungsergänzungsmittel)
-ein medizinisches Problem in der 8. bis 14. Woche (Narkose, OP mit starkem Blutverlust)

Stereotypie sollte – gerade im Anfangsstadium – richtig entgegengewirkt werden, um dem Hund Folgeschäden zu ersparen.
Die schlimmste Form der Stereotypie stellt die Auto-Aggression dar, bei der sich der Hund anfängt selbst zu verletzen.
Bei der Auto-Aggression liegt eine Dissoziationsstörung vor, in der eigene Körperteile vom Hund zum Teil nicht mehr
als die eigenen gesehen werden!
Ob Stereotypien (welcher Art auch immer) jemals ganz verschwinden ist ungewiss, da in extremen Stresssituationen die Verhaltensstörung immer wieder „abgerufen“ wird.
Vergleichen kann man dies in etwa mit folgendem Beispiel:
Wenn ein Mensch über längere Zeit immer eine Abkürzung über die Wiese genommen hat, und plötzlich den abgekürzten Weg
nicht mehr gehen darf weil rundherum ein Weg angelegt wurde, wird er trotzdem in einer Stresssituation
(z.B. er hat den Herd mit einem Topf Wasser vergessen auszuschalten) immer wieder den abgekürzten Weg wählen.

Stereotypie oder Zwangshandlung – was ist der Unterschied?
Bei der echten (fixierten) Stereotypie ist der Weg das Ziel, das heisst die Endhandlung spielt bei der Stereotypie keine Rolle.
Ganz anders dagegen bei der Zwangshandlung, bei der die Endhandlung sehr wohl von Bedeutung ist (Beispiel: Leckstörung).
Während bei der Stereotypie die Ursache in einem gestörten Dopaminhaushalt zu suchen ist (Dopaminmangel), wird bei der Zwangshandlung durch Erreichen der Endhandlung (Wunde lindern durch lecken bei einer Leckstörung oder das typische Flankensaugen beim Dobermann) das Oxytocinsystem (Bindung und Beziehung, Wohlfühlen) aktiviert!

Hunde mit Stereotypie haben dabei in einer Konfliktsituation geringeren Stress als jene Hunde, die sich in der gleichen Konfliktsituation befinden und die Stereotypie nicht zeigen.

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