SPIEL bei Hunden

SPIEL bei Hunden

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Zunächst einmal muss die Frage „Was ist und Wodurch wird, Spiel gekennzeichnet bzw. charakterisiert?“ aufgeklärt werden.
SPIEL bei Hunden charakterisiert sich durch unvollständige, teilweise wiederholte Bewegungsabläufe und Verhaltensweisen, ist unvorhersehbar, übertrieben, frei von jeglicher Ernsthaftigkeit und
stets von allen Beteiligten freiwillig!

Wer kennt nicht die typische Vorderkörpertiefstellung (VKTS) als Spielaufforderung, das plötzliche Vorpreschen und die darauf folgende gleichzeitige Zurückbewegung oder das typische lachende Spielgesicht?
Spiel wird stets mit dem Ziel von Spiel und nicht mit Jagd-, Kampf- oder Aggressionsverhalten verfolgt obwohl Teile des Verhaltens daraus entstehen jedoch ohne Ausführung der Endhandlung!
Hunde spielen bevorzugt in vertrauter Umgebung und im Heim erster Ordnung, wobei Spielverhalten bei Angst, Hunger, Schmerzen oder in Stresssituationen nicht gezeigt wird.
Im Spiel hat jeder Spielpartner die Möglichkeit zu „gewinnen“ und somit gleiche Teile an offensiven bzw. defensiven Verhaltensmustern zu zeigen.

Zusammenfassung Spiel:
• übertriebene Bewegungen (Vor und wieder Zurück)
• wiederholte Bewegungsabläufe (Anspringen)
• fehlen der Endhandlung
• häufiger Rollenwechsel (Jäger und Gejagter)
• Einsatz von Spielsignalen (VKTS)

Spiel aktiviert das Dopamin System (Selbstbelohnung), wodurch einerseits die Gefahr von Sucht, andererseits von Stereotypien entsteht. (Balljunkies)
Vorhandenes Suchtpotenzial erkennt man an der Fixierung des Hundes auf ein Spielobjekt (Ball) auch wenn sich der Spielpartner ändert!
Generell werden im Spiel jedoch Noradrenalin (Spielkampf), Oxytocin (Bindung) und Endorphine (Glück) ausgeschüttet.
Das gemeinsame Spiel ist somit immer Bindungsfördernd!

Arten des Spiels:
Grundsätzlich lässt sich Spiel in drei Arten unterteilen:
Solitäres Spiel
Soziales Spiel und
Objektbezogenes Spiel

1. Solitäres Spiel
Als Solitärspiel wird das Spiel mit dem eigenen Körper sowie das Objektspiel ohne Spielpartner bezeichnet.
Ziel des solitären Spiels ist das Kennenlernen des eigenen Körpers (beim Welpen) und seiner Fähigkeiten bzw. beim Objektspiel die Förderung des Explorations- bzw. Neugierverhaltens.

2. Soziales Spiel
Sozialspiel beschreibt innerartliches (Hund-Hund) und/oder außerartliches (Hund-Mensch, Hund-Katze …) Spielverhalten.

3. Objektbezogenes Spiel
Beim Objektspiel ist stets ein unbewegter, beweglicher Gegenstand Teil des Spiels. Der Spielgegenstand dient unter Umständen auch als Beuteersatz.

Die Motivation für das Entstehen von SPIEL ist immer von der Ernstsituation zu unterscheiden.
(Beispiel: echtes Jagdverhalten hat das Ziel des Tötens als Endhandlung. Jagdszenen im Spiel dagegen werden immer unvollständig, das heißt ohne Ausführung der Endhandlung und mit Rollenwechsel zwischen „Jäger“ und
„Gejagten“ gezeigt!)

Kommunikation im Spiel:
Eingeleitet wird Spiel stets mit einem Signal welches die Bereitschaft zum selbigen anzeigt. (z.B. VKTS)
Mimische Kommunikation: Spielgesicht, Bewegung
Optische Kommunikation: sehen der Spielaufforderung
Akustische Kommunikation: Spielbellen
Olfaktorische Kommunikation: Ausstoß von Pheromonen
Taktile Kommunikation: spüren des Spielpartners (Spielbeißen)
Hunde halten beim Spiel welches zu Missverständnissen führen könnte, ständigen Augenkontakt! (Zerrspiel, siehe Foto)

Abschliessend möchte ich betonen, dass im Spiel weder Ressourcenkonflikte geregelt noch Rangpositionen festgelegt werden!
Die Rangposition wird im Tierreich durch sogenannte „Kommentkämpfe“, also Kämpfe ohne Beschädigungsabsicht, geregelt!
Der ernsthafte Kampf wird somit durch effizientes und nachhaltiges Attackieren (und Verteidigen) charakterisiert.

Bernhard Albin

Über den Autor

RealizeDogs steht für theoretische und praktische Fachkompetenz, individuelle Betreuung, angepasstes Training, kompetente Beratung und Tierschutz- und Artgerechten Umgang mit dem Hund!

Bernhard Albin
http://realizedogs.at
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