MOBBING und soziale Ausgrenzung bei Hunden

MOBBING und soziale Ausgrenzung bei Hunden

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Der Begriff des Mobbings bei Hunden wird aus verhaltensbiologischer Sicht auch als „Hassen“ bezeichnet, und ist stets sozial motiviert.
Als typisches Beispiel sei hier das wohl jedem bekannte Bellen in einer Ortssiedlung genannt, in der erstens die Ankündigung des „Eindringlings“ („wir haben dich schon bemerkt/gesehen“) erfolgt und zweitens eine individuelle Feindbildprägung, welche bereits im Welpen- und Junghundalter generiert worden ist, verfolgt wird!
Gründe für die soziale Ausgrenzung reichen von der Verschaffung eines gemeinsamen Vorteils, gemeinsame und koordiniert agierende Territorialverteidigung über den Aspekt der Krankheitsvermeidung, in der eine schlagartige Abgrenzung bzw. Ausschluss eines anderen Hundes erfolgt und nicht zuletzt des gemeinsamen Jagens (Gruppenjagd) eines ausgeschlossenen Hundes, doch dazu später mehr.

Spiel oder Mobbing?
Bei Mobbing aus Spielverhalten heraus baut sich – bei keinem Abbruch – stets eine Verhaltensstrategie auf, bei der bestimmte Hundetypen keine Orientierung mehr an ihrer Umwelt zeigen.
Ursachen sind bei dieser Thematik einerseits im Dopaminsystem (Sucht) und andererseits in der fehlenden Fähigkeit zum Abbruch des Spiels (geringe Frustrationstoleranz) zu suchen.
Wie echtes Spiel aussieht bzw. die charakterlichen Eigenschaften des Spiels habe ich bereits in einem früheren Artikel (SPIEL bei Hunden) erläutert.

Einfluss von Spielverhalten auf Mobbing:
Bei temperamentvollem, körperbetontem Spiel ist wie schon gesagt, stets das Hormon Dopamin beteiligt.
Mit einher muss und/oder sollte auch der sogenannte „Nervenwachstumsfaktor“ gehen, der die Stärke der Nervenfasern vom Großhirn in den Mandelkern (Amygdala) beschreibt. Der Mandelkern ist vor allem für das Entstehen von Emotionen wie zum Beispiel Wut, Freude oder Angst verantwortlich.
Zu Anfang eines jeden Hundelebens – ungefähr bis zum dritten, vierten Lebensmonat – überwiegt noch die kindliche, reine Freude (Primärgefühle), jedoch nur so lange bis die Emotionen „behaftet“ sind, das heisst bis die hemmende Wirkung der Nervenfasern von der Großhirnrinde in den Mandelkern im Laufe der Pubertät zunimmt (Sekundärgefühle).
Dopamin abhängige Regionen im Gehirn des Hundes sind ausserdem das linke seitliche Stirnhirn, welches für die Konzentration bzw. das Interesse an einer Sache bei Problemlösungsverhalten verantwortlich ist, und das frontale Stirnhirn, welches für die soziale Kompetenz und die Zuordnung von Gesichtern und Emotionen (Mimik) verantwortlich ist!

Im Zusammenhang mit dem Jagdverhalten entsteht Mobbing aus fehlgeleiteter Rudeljagd, in welcher ein zufälliges Greifen von Mobbingopfern („komm her, du kriegst mich sowieso nicht“) erfolgt.
Deutlich wird dies im Unterschied zwischen zum Beispiel einer Wettbewerbsaggression und dem (echten) Jagdverhalten, wobei der Wettbewerbsaggression stets eine vorherige soziale Kommunikation vorangeht – während beim echten Jagdverhalten eine auslösende Beutefangszene (kurzes Verharren, schnelles Schauen, fixierter Blick) für die beginnende Jagdszene verantwortlich ist.
Die beginnende bzw. sich aufbauende Rudeljagdszene sollte aus zweierlei Gründen unterbrochen werden:
Erstens wegen dem Erfolgserlebnis für die Mobber (Dopamin und Endorphine beim Rennen) und zweitens wegen dem Druck unter dem das Mobbingopfer steht!

Zum Abschluss möchte ich noch auf die Gründe bzw die sozialen Ursachen für eine derartige Aus- und Abgrenzung ein bisschen näher eingehen:
Der erste und wichtigste Punkt stellt die Territorialität, also das Raum/Zeit-System eines Hundes dar, in der die Summe eines gemeinsam genutzten Territoriums zusammen mit der gemeinsamen Verteidigung dieses Reviers die Sicherung der Nahrungsquellen und somit die Ursache für eine Gruppenbildung bei Hunden ergibt.
Der zweite Punkt bzw. Begriff fällt auf die sogenannte Disziplinierung, welcher Hundehaltern in Mehrhundehaushalten sicher bekannt sein dürfte, wenn Hund A durch Hund B gemaßregelt wird.
Dies ist übrigens auch einer der Gründe, warum eine (kurzzeitige) Integration eines kompetenten (!) erwachsenen Hundes in eine Welpen- oder Junghunde Spielgruppe erfolgen sollte, da ein erwachsener, sozial kompetenter Hund – besser als jeder Mensch es je können wird – das soziale Lernen von Welpen und Junghunden einerseits unterstützt und andererseits positiv begünstigt!
In frei lebenden Hunderudeln dagegen wird ein immer wieder sozial ausgegrenzter Hund über kurz oder lang den sozialen Verband verlassen und aus der Gruppe abwandern.
Als dritter Punkt taucht hier die Ausgrenzung aus medizinischen Gründen auf, in der kranke Hunde aufgrund von Bewegungsveränderungen bzw. -einschränkungen, Veränderung der Muskelkontraktion, Parasiten, Entzündungen oder aufgrund von Tumoren ausgegrenzt werden.
Verantwortlich hierfür ist das sogenannte „Jacobson`sche Organ“, welches sich im Nasendach des Hundes befindet und kleinste Entzündungsherde registriert!
Als vierter und letzter Punkt ist hier die sexuelle Belästigung zu nennen, unter die speziell kastrierte Rüden fallen welche sehr oft oder einfach zu früh kastriert worden sind und somit das Ziel von Mobbern darstellen können weil sie durch die Kastration in einem bestimmten Entwicklungsstand hängen geblieben und somit fest getackert sind!

Bernhard Albin

Über den Autor

RealizeDogs steht für theoretische und praktische Fachkompetenz, individuelle Betreuung, angepasstes Training, kompetente Beratung und
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Bernhard Albin
http://realizedogs.at
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