Hormone bei Hunden

Hormone bei Hunden

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Bei Hunden spielen Hormone eine erhebliche Rolle, sei es bei Aggressionsverhalten, Brutpflege, Bindung und/oder Eifersucht.
Dieser Artikel beleuchtet jedes einzelne Hormon etwas genauer, erklärt die Bedeutung des jeweiligen Hormons, die Eigenschaften
und in welchem Teil des Gehirns es gebildet wird!

• Prolaktin:
Prolaktin ist für mütterliches Verhalten, männliches
Brutpflegeverhalten sowie für die Milchbildung bei Säugetieren verantwortlich!
Dieses Hormon wird in der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) gebildet,
ist mitbeteiligt beim Infantizid (Kindstötung) und es besteht eine Wechselwirkung mit dem Sexualhormon Testosteron.
(bei kastrierten Rüden steigt der Prolaktinspiegel im Blut während des Brutpflegeverhaltens signifikant an)

• Oxytocin/Vasopressin:
Oxytocin bzw. Vasopressin sind auch unter dem Trivialnamen
„Bindungs- und Eifersuchtshormon“ bekannt.
Beide Hormone werden ebenso in der Hypophyse gebildet und von dort in die Blutbahn abgegeben!
Oxytocin ist ein Hormon welches während der Geburtsvorbereitung
vermehrt ausgeschüttet wird und ausserdem für das Wohlfühlen bei einem bevorzugten Bindungs- und/oder Beziehungspartners verantwortlich ist und wirkt stressdämpfend.
Vasopressin hingegen ist für die Individualerkennung des Bindungs- und Beziehungspartners verantwortlich wird aber auch bei der aggressiven Reaktion der Partnerschutzfunktion (Eifersuchtsreaktion) vermehrt gebildet und aktiviert in weiterer Folge das Noradrenalinsystem.

• Serotonin
Serotonin ist allgemein als Stimmungsaufheller bekannt und beteiligt sich des weiteren an der Verdauungstätigkeit.
Dieses Hormon wird aus der Aminosäure Tryptophan in der Darmschleimhaut gebildet, und ist der Gegenspieler des Stresshormons Cortisol!
Serotonin spielt auch bei der genetischen Störung, der
„Cocker- und Retrieverwut“ eine Rolle, da hier ein erhöhter Serotoninspiegel vorliegt welcher zu erhöhter Aggression führt und gleichzeitig jedoch die Wiederaufnahme bzw. der Abbau des Serotonins verlangsamt ist!

• Cortisol:
Cortisol ist ein passives Stresshormon aus der Nebennierenrinde und wird auch als Kontrollverlustshormon bezeichnet!
Als passiver Stress wird die passive Anpassung an eine aktiv nicht mehr veränderbare Umweltbedingung bezeichnet.
Testosteron wirkt dämpfend auf die Cortisol Ausschüttung,
weshalb sich bei Cortisol gesteuerten Hunden (ängstlicher Typus) eine Verbesserung der aggressiven Problematik
(z.B. bei Futteraggression) durch Kastration nicht zeigt!

• Dopamin:
Dopamin ist als Selbstbelohnungs- und Lerndroge bekannt, wird im Mittelhirn gebildet und bei Erfolgserlebnissen – sei es bei aggressiver Verteidigung, sexueller Betätigung oder rhythmischer Tätigkeit ausgeschüttet.
Ein Dopaminmangel führt hingegen häufig zu Stereotypien.

• Adrenalin/Noradrenalin:
Adrenalin bzw. Noradrenalin wird im Nebennierenmark gebildet und trägt auch den Namen Kampfhormon, da es speziell vor Auseinandersetzungen produziert wird aber auch im Bereich Angst und Aggression eine große Rolle spielt.
(Nor-)Adrenalin senkt die Reizweiterleitung im Gehirn wobei die Reizschwelle bei Wiederholung des Verhaltens gesenkt wird, sodass bei folgenden Auseinandersetzungen die aggressive Reaktion noch früher eintritt. (Beispiel aggressiver Hund an der Leine …)
Noradrenalin wirkt ausserdem Reizschwellen-senkend, wobei gleichzeitig die Reaktionsbereitschaft erhöht wird und der Hund dadurch Aufmerksamer auf kleinste Veränderungen der Umweltreize reagiert!
Es erfolgt also bei gleicher Reizstärke eine heftigere Reaktion auf veränderte Umweltreize oder mit verminderter Reizstärke eine gleich starke Reaktion.

• Testosteron und Östrogen:
Das männliche (Testosteron) sowie das weibliche Sexualhormon (Östrogen) werden primär in den Geschlechtsteilen (Hoden und Eierstöcke) aber auch sekundär in der Nebennierenrinde gebildet.
Testosteron ist für Imponier- und Kampfverhalten, für das Wachstum sowie für eine erhöhte sexuelle Aktivität verantwortlich wobei auch ein signifikanter Zusammenhang mit Aggression
zu nennen ist! (Testosteron-Cortisol Abhängigkeit siehe oben)
Überschüssig gebildetes Testosteron wird dabei in Östrogen umgewandelt.

Bernhard Albin

Über den Autor

RealizeDogs steht für theoretische und praktische Fachkompetenz, individuelle Betreuung, angepasstes Training, kompetente Beratung und Tierschutz- und Artgerechten Umgang mit dem Hund!

Bernhard Albin
http://realizedogs.at
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