Die Sache mit der Territorialität

Die Sache mit der Territorialität

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Territorialverhalten ist definiert als das (Be-)Schützen des eigenen Territoriums bzw. des eigenen Reviers gegen Eindringlinge, jedoch nur dann wenn der Energiegewinn bei alleiniger Nutzung des Reviers den Energieverlust des Ankündigens und Verteidigens übersteigt!
Unterschieden wird hier zwischen dem Haus- und Hofhund, welcher das eigene Heim schützt und dem Herdenschutzhund, der die Herde schützt/zusammenhält und in Krisensituationen ggf. auch verteidigt.

Territoriales Bellen (=Ankündigung des Eindringlings) kennzeichnet sich durch eine tiefe, reinliche Lautgebung des Hundes und wird nach der sogenannten Motivationsstrukturregel mit „Geh weg“ und/oder „Schleich dich“ definiert.
Hunde mit großem Resonanzraum (Volumen zwischen Kehlkopf und Mundhöhle) zeigen ein deutlich tieferes Bellen.
Dabei kann festgehalten werden, dass je tiefer das Bellen des Hundes ist, umso selbstsicherer ist er! Ein sehr wichtiger Begriff rund um das Territorialverhalten ist der Begriff des „Mobbings“.
Als Mobbing wird der Ausschluss eines Individuums aus einer Gruppe durch einen oder mehrerer Individuen bezeichnet.
(Beispiel: territoriale Ankündigung eines Eindringlings durch Auslandshunde aus dem Tierschutz in einer Häusersiedlung)
Territorialverhalten darf nicht mit Jagdverhalten verwechselt oder gar gleichgestellt werden!

Kleine Hunderassen reagieren nicht unbedingt territorial, sondern haben ganz allgemein eine erhöhte Reizbarkeit und Erregbarkeit.
(genetisch dispositioniert, IGF-1 Faktor)
Dies spiegelt sich auch in der Lautgebung wider, da kleinere Hunde in der Regel aus der eigenen Unsicherheit heraus bellen.
Einen Unterschied zwischen Territorium und Revier gibt es nicht, jedoch sollten wir uns einen anderen Begriff merken, nämlich das Streifgebiet:
Das Streifgebiet befindet sich an den Revier-/Territoriumsgrenzen und ist das Gebiet an dem sich ein oder mehrere Individuen zu 95% aufhalten. Streifgebiete werden – im Gegensatz zu den Revieren – NICHT verteidigt!

Reviere werden nicht nur gegen Artgenossen des gleichen sozialen Status verteidigt, sondern auch angekündigt. (Markierverhalten)
Je höher der Wert des Territoriums, umso höher ist die Bereitschaft es zu verteidigen.
Die Ankündigung eines Reviers passiert über das Urin- bzw. Kotmarkieren, (Sender-Empfänger Prinzip: wenn der Empfänger nach beschnuppern einer Reviermarke sein Verhalten ändert, ist die Botschaft angekommen) wobei hier zwischen dem Markieren im Innenrevier und dem Markieren im Außenrevier unterschieden werden muss.

Funktion eines Reviers:
Reviere/Territorien (sowie der Zusammenschluss von Rudeln überhaupt) dienen der Ressourcensicherung, wobei die Qualität
der Ressource umso größer ist, je höher die Bereitschaft es zu verteidigen. (Beispiel: gemeinsame Aktivität am Spaziergang erhöht den Wert des Reviers und somit der Ressource)
Territorialität wirkt lernverstärkend (Dopamin), d.h. ist sehr stark am Lernen am Erfolg beteiligt. (Beispiel: der Hund am Gartenzaun -> Eindringling geht weg -> Erfolgserlebnis)

Passend zum Schluss mache ich noch einen kleinen Exkurs in die olfaktorische Kommunikation von Hunden:
Die Kommunikation über die Nase ist nicht nur bei Hunden sondern im gesamten Tierreich weit verbreitet.
Ein deutscher Schäferhund zum Beispiel hat eine Riechschleimhautfläche von
150 Quadratmetern, wohingegen wir Menschen lediglich 2-5
Quadratzentimeter haben.
Die gesamte Anzahl an Riechzellen liegen beim Hund zwischen 125 und 225 Millionen, beim Menschen bei ca. 20 Millionen.
Ein Mensch benötigt etwa 1000 Moleküle eines Duftstoffes pro Kubikzentimeter um ihn erkennen und zuordnen zu können, beim Hund reicht EIN einziges pro Kubikmillimeter!

Bernhard Albin

Über den Autor

RealizeDogs steht für theoretische und praktische Fachkompetenz, individuelle Betreuung, angepasstes Training, kompetente Beratung und Tierschutz- und Artgerechten Umgang mit dem Hund!

Bernhard Albin
http://realizedogs.at
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